#Seelen+HirnGesundheit in der Corona-Krise

Sorge für Dich: Neue Kraft durch Vertrauen in sich selbst entwickeln

Wir brauchen Zuversicht für einen positiven Blick in die Zukunft. Er bestimmt, wie wir morgen leben.

Krisensituationen stellen uns vor neue Herausforderungen. Diese gehen oft zu Lasten der psychischen Gesundheit, da durch ungewohnte Situationen Ängste und Sorgen hervorgerufen werden. Um diese Herausforderungen und seelischen Belastungen zu überwinden, ist es wichtig, stets das Vertrauen in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten zu bewahren. Denn nur durch einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft kann die nötige Kraft für die Überwindung der Krise gewonnen werden. Diese Kraft kann durch verschiedene Methoden und Schritte im Alltag erlangt werden.

Während die einen neue Energie und Kraft durch einen Spaziergang in der Natur schöpfen, tanken die anderen neue Energie durch eine genaue Strukturierung des Alltags, wie beispielsweise durch die Erstellung konkreter Aufgabenlisten. Auch ein gesunder Schlaf ist essenziell, um die eigene psychische Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden auf Dauer erhalten zu können. Bei Schlafstörungen und Einschlafhilfen können Entspannungstechniken sowie abendliche Rituale helfen. Auch das offene Gespräch über die jeweiligen Sorgen und Ängste mit Familienmitgliedern und Freunden helfen dabei, die augenblickliche Krisensituation emotional verarbeiten und überstehen zu können.

Durch eine hoffnungsvolle und zuversichtliche Einstellung schaffen wir es, unsere psychische Gesundheit zu stärken und zu mobilisieren. Unsere innere Einstellung in einer Krisensituation wird stark von dem Zuversichtsgedanken beeinflusst. Je zuversichtlicher und positiver wir über die Zukunft und über noch zu bewältigende Herausforderungen denken, desto besser werden wir diese meistern. Durch die Zuversicht und Hoffnung, dass sich etwas zum Guten wenden wird, können wir unsere innere Einstellung gezielt lenken und neue Energie schöpfen.

Um unseren Geist und Körper fit zu halten, müssen wir fürsorglich und achtsam handeln. Es gibt viele Methoden, um die eigene Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Indem wir aktiv für uns selbst sorgen, steigen auch unsere Abwehrkräfte gegen widrige Umstände.

Sorge für Dich

 

Jeder Mensch möchte glücklich sein und ein gelungenes Leben führen. Wir alle werden aber im Laufe unseres Lebens mit Krankheit, Tod und Lebenskrisen konfrontiert. In westlichen Industriegesellschaften fällt es uns meist schwerer, mit derartigen unvermeidlichen Leiderfahrungen umzugehen. Die meisten von uns bringen viel Energie auf, um die äußeren materiellen und auch immateriellen Bedingungen herzustellen, die ein glückliches Leben zu versprechen scheinen: Ausbildung, ein erfüllender und gut bezahlter Job, ein gewisser materieller Wohlstand mit eigenem Haus, Auto und regelmäßigem Urlaub, eine lebenslange romantische Beziehung, Familie, Hobbys und vieles mehr. Läuft etwas schief, verlassen wir uns auf ein funktionierendes Gesundheitssystem und soziale Sicherungssysteme. ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen helfen uns im Krankheitsfall. Mit Lebens-, Haftpflicht-, Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherungen sichern wir uns privat ab. Unmengen von Gesetzen und Richtlinien schützen uns im privaten und öffentlichen Raum und wenn uns Unrecht widerfährt, können wir auf ein unabhängiges Rechtssystem vertrauen. Historisch und geographisch gesehen befinden wir uns in einer einmaligen Situation. Das ist gut so und eine wunderbare gesellschaftliche Errungenschaft.

Ein Blick in die Krankheitsstatistiken zeigt ein paradoxes Phänomen: Trotz Wohlstand und hohem Bruttosozialprodukt nehmen Arbeitsunfähigkeitszeiten aufgrund von psychischen Krankheiten und die Inanspruchnahme von Therapien in diesem Bereich  seit Jahren dramatisch zu, obwohl es uns im gesellschaftlichen Mittel wirtschaftlich gut geht. Trotz aller Planung sind wir aber nicht geschützt vor Leid und Unglück. Probleme in Beziehungen und in der Familie, am Arbeitsplatz, Krankheit, Tod, Verlusterfahrungen und Ängste sind Bestandteil unseres Lebens und werden es auch weiterhin sein.

Mit den Widrigkeiten des Lebens zurechtzukommen, wird nicht gelingen, indem wir uns allein auf Umstände und Hilfe von außen vertrauen. Wenn wir uns stets auf äußere Hilfe verlassen, besteht auch die Gefahr, dass wir Verantwortung abgeben und verlernen, die eigenen Ressourcen zu pflegen. Darin liegt auch ein Moment der Unfreiheit.  Dies meint die Abhängigkeit von äußeren Umständen, aber auch von unseren eigenen Überzeugungen und Ideen. Nicht für jedes Problem gibt es eine Lösung. Und die Idee, dass nur die äußeren Umstände wie ein guter Beruf, intakte Familie, materieller Wohlstand und anderes stimmen müssen, damit wir glücklich sein können, macht uns ausgesprochen verwundbar. Wir haben es verlernt, für uns selbst zu sorgen und die Fähigkeit in uns zu pflegen, aus uns selbst heraus glücklich sein zu können. Aus diesem Grund ist es sinnvoll darüber nachzudenken, was wir wieder selbst für uns tun können, um eine verbesserte Abwehr aus uns heraus gegen widrige Umstände sowie inneres und äußeres Leiden hervorzubringen.

Man kann dies mit dem Immunsystem vergleichen: wir können uns darauf verlassen, dass wir im Ernstfall Zugang zu einer medizinischen Therapie mit Antibiotika haben. Auf Dauer kann ein unkritischer Umgang mit Antibiotika aber auch schädlich sein. Das gleiche gilt auch für übertriebene Hygiene. Das Immunsystem kann sich dann nicht stark entwickeln. Die Infektanfälligkeit kann im Einzelfall zunehmen und auch Autoimmunerkrankungen und Allergien sind die Folge. Hier selbst etwas für das Immunsystem zu tun, ist der klügere Weg.

In westlichen Gesellschaften ist es allgemein akzeptiert, dass wir etwas für unsere körperliche Fitness machen müssen, um gesund zu bleiben. Völlig selbstverständlich machen wir Sport, gehen ins Fitnessstudio oder raus in die Natur. Sport ist sogar Pflichtfach in der Schule. Und über sportliche Erfolge stabilisieren wir auch unser Selbstwertgefühl. Eine vergleichbare Kultur fehlt für unseren Geist und unsere psychischen Abwehrkräfte. Um für Krisen stark zu sein und für unsere psychische und körperliche Gesundheit brauchen wir nicht nur einen fitten Körper, sondern auch einen starken Geist. Die Wissenschaft hat dafür den Begriff der Resilienz geschafften, welcher die psychische Widerstandskraft und Fähigkeit, wie wir aus uns selbst heraus mit Krisen und Stresssituationen umgehen können, beschreibt. In vielen alten Kulturen war diese Pflege der Selbstfürsorge möglicherweise weiterentwickelt, als bei uns. In einigen neuzeitlichen Gesellschaften hat sich diese Praxis bis heute erhalten. So war man sich in antiken eurasischen Kulturen durchaus bewusst, dass es wichtig ist, eine Bewusstseinshaltung zu kultivieren, die uns gelassener, ruhiger und gleichmütiger macht und uns damit auch hilft, widrige Umstände besser zu akzeptieren. Gleichzeitig verhilft uns diese geistige Haltung, klarer zu denken und aktiver nach Lösungen zu suchen. In der griechischen und römischen Antike waren diese Überlegungen nicht nur Ausdruck einer philosophischen Erkenntnis, sondern auch mit einer philosophischen Praxis verbunden. Im asiatischen Raum haben sich vergleichbare Kulturpraktiken in der Meditation und im Yoga bis heute lebendig gehalten. Dieses dort über Jahrtausende kultivierte Erfahrungswissen und darauf aufbauende Übungspraxis haben gerade aus den asiatischen Kulturen in vielen psychotherapeutischen Techniken wie Achtsamkeitstraining oder MBSR (Achtsamkeitsbasierte Stressreaktion) Einzug erhalten. Das Gemeinsame ist, dass es darum geht, unsere eigenen Ressourcen wachsen zu lassen, um nicht Glück und Abwehrkraft allein im Außen zu suchen, sondern von innen heraus. Es gilt das gleiche Prinzip, wie damals: Erkenntnis allein reicht nicht, es braucht ein regelmäßiges Training des Geistes, wie beim Erlernen einer Sportart, eines Musikinstrumentes oder einer Fremdsprache. Ohne Übung geht es nicht. Nur mit Übung können wir unseren Geist kennenlernen, neue Sichtweisen entwickeln und alte Gewohnheiten überwinden. Das ist die Grundlage dafür, dass wir uns nicht mehr als „Opfer der Umstände“ verstehen, sondern als aktiv Gestaltender. Wir lernen zu erkennen und zu akzeptieren, was wir nicht verändern können, und zu verändern, was uns unfrei macht und Leid hervorbringt.

Sie finden hier Informationen zu antiken Philosophien der Selbstfürsorge, sowie Hintergrundwissen zu Achtsamkeitspraktiken, Yoga und Meditation, aber auch zu anderen Praktiken der Selbstfürsorge in Form von gesunder Ernährung und Sport. Ein gesunder Körper ist die Grundlage für psychische Gesundheit. Denn Geist und Seele gehören zusammen. Wir nehmen damit nicht nur Verantwortung für unser Bewusstsein und eine heilsamere Einstellungen und Überzeugungen, sondern auch für unsere Körperhaltungen und das, was wir „konsumieren“, sowohl geistig als auch körperlich.

Welche individuellen Möglichkeiten es gibt, um die eigene psychische Gesundheit in Krisensituationen zu stärken, erfahren Sie auf unserer Website.

Dr. Uwe Meier, 1. Vorsitzender Berufsverband Deutscher Neurologen

Für sich selber sorgen, um aus sich selbst heraus glücklich zu sein

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